Demokratie mal ganz anders

3-2-1-0. Urplötzlich stehen alle Stipendiaten still. Keiner regt sich. Es ist fast ein wenig gespenstisch, wie sich der eben noch vorherrschende Trubel mit einem Schlag in absolute Ruhe verwandelt. Bloß – was wollen die Schülerinnen und Schüler damit zum Ausdruck bringen?

26. bis 28. Oktober 2012 in der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar: Insgesamt 22 FairTalent-Stipendiaten aus Hessen, Sachsen und ganz Thüringen waren in die Goethe-Stadt gekommen, um sich ein Wochenende lang intensiv mit den Themen „Weimarer Republik“ und „Konzentrationslager“ auseinanderzusetzen.

Die eingangs genannte Situation war eine der viele Übungen, mit denen die Seminarleiter den Stipendiaten die Lage der verschiedenen deutschen Stände zur Zeit der Weimarer Republik näher bringen wollten. Die Jugendlichen sollten lernen, wie schnell die Demokratie in Gefahr gebracht werden kann, sei es durch eine Einzelperson oder gar durch eine ganze Partei.

Auch ein Besuch des nahegelegenen Konzentrationslagers Buchenwald stand auf dem Programm. Es war von Nationalsozialisten auf dem sechs Kilometer entfernten Ettersberg errichtet worden. Heute ist es eine Gedenkstätte, die von vielen Schülergruppen und Privatpersonen besucht wird.

Um die Stipendiaten auf das vorzubereiten, was sie dort sehen würden, wurden den Jugendlichen vorab Bilder gezeigt, die in dem ehemaligen KZ aufgenommen wurden. Die Stipendiaten sollten eines auswählen und kurz erklären, welche Situationen auf den Bildern dargestellt wurden und was sie zu bedeuten hatten. Was auf diesen Bildern zu sehen war, traf die Schülerinnen und Schüler tief ins Mark. Wie konnte ein solch grausamer Ort überhaupt entstehen? Für alle war unbegreiflich, wie diese furchtbaren Bilder einmal traurige Wirklichkeit gewesen sein konnten.

Auf Basis dieser Eindrücke entstanden rege Diskussionsrunden, in denen manche Antwort gegeben werden konnte, aber noch viel mehr Fragen entstanden.

Zu allem Unglück brach genau an diesem Wochenende in Deutschland der Winter ein. Der erste Schnee fiel und so lenkten sich die Jugendlichen am Abend vor dem Besuch in Buchenwald mit einer Schneeballschlacht ab.

Ein eisiger Schauer lief den Stipendiaten über den Rücken, als sie am nächsten Morgen im KZ Buchenwald ankamen. Die Winterkälte verschärfte das Unbehagen noch. Aber Buchenwald ist ein Ort, der zu jeder Zeit kalt ist. In jedem Sinne.

Am Ende der Führung durch das KZ waren die Stipendiaten um viele Eindrücke reicher. Wieder zurück in der EJBW, sollten die Jugendlichen das Gesehene auf sich wirken lassen und hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Was geschah eigentlich nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald durch die Amerikaner? Diese und andere Fragen wurden am zweiten Seminartag besprochen. Da ging es dann vor allem um das Speziallager Nr. 2, das 1945 als sowjetisches Speziallager auf dem Gelände des ehemaligen KZ Buchenwald entstand. Der Seminarleiter berichtete von den vielen Menschen – von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und ehemaligen KZ Häftlingen –, die in diesem Lager endeten.

Der letzte Teil des Seminares bestand aus einer kleinen Führung zum Thema, wie sich die Herrschaft der Nationalsozialisten in Weimar gespiegelt hat. Die Stipendiaten waren überrascht zu erfahren, dass Weimar einst eines der Zentren der NSDAP darstellte. So wurden sie zum ehemaligen Sitz der Gestapo geführt und auch zu dem Forum, wo damals Versammlungen abgehalten wurden.

Wieder um viel Wissen reicher, beendeten die FairTalent-Stipendiaten ihr zweites Seminar zum Thema „Demokratie“. Beim Folgeseminar im kommenden Mai sollen die an diesem Wochenende besprochenen Themen weiter vertieft werden.

Mit diesem Ausblick endete das Seminar mit einem lachenden aber auch einem weinenden Auge, denn für 2012 war dies das letzte Seminar, das FairTalent-Stipendiaten aus den drei Bundesländern Hessen, Sachsen und Thüringen vereint. Bis zum nächsten gemeinsamen Termin müssen sich die Stipendiaten nun bis Anfang 2013 gedulden.

von Luisa Urban

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