Wir rappen Goethes “Faust”

Wir rappen Goethes “Faust”

Es ist 9 Uhr morgens, als sich zwölf Stipendiaten im Schauspielhaus Frankfurt treffen, um an diesem Tag etwas über Goethes “Faust” zu erfahren. 9 Uhr morgens, während Freunde und Klassenkameraden noch gemütlich im Bett liegen  – es sind nämlich Ferien. Doch wir, begeben uns auf die Spuren vom Dichter Goethe.

Nach einer kurzen Vorstellung aller Teilnehmer geht es gleich los: In verschiedenen Laufbewegungen maschieren wir alle durch den Raum – langsam, mittel, schnell. Jeder soll dabei seinen eigenen Weg gehen und darauf achten, keine andere Person  anzurempeln. Dann machen wir eine Übung, bei der sich das Lauftempo unter uns Stipendiaten ändert, ohne dass wir miteinander sprechen. Kommunikation ohne Worte also. Aber was hat das mit Goethe zu tun?

Jetzt kommt eine Partnerübung, die alle lustig finden: Wir führen uns gegenseitig wie Blinde durch den Raum. Erst an der Hand, dann nur noch mit Worten oder Geräuschen. Wenn der Blinde dem Geräusch nicht mehr folgen kann, bleibt er stehen.

Als wir uns einen Satz aus dem “Faust” aussuchen sollen, der uns gefällt, verstehen wir schon mehr, dass es hier um Goethe und seine Dichtung geht. Jeder, der seinen Satz gefunden hat, ist aufgefordert, ihn im Workshop-Raum auf unterschiedliche Art aussprechen. Wir sollen Goethes Sprache in uns wirken lassen und sie uns für ein paar Minuten ausleihen.

Wir dürfen mit ihr machen, was wir wollen und sie frei performen. Manche entwickelten mit Fetzen aus “Faust” ein kleines Rollenspiel, andere singen oder rappen ihren Text.

Nächster Abend: Ein Freitag. Wir Stipendiaten finden uns wieder am Schauspielhaus ein. Jetzt bekommen wir die Aufführung der Profis zu sehen. Üeberall tummelten sich Menschen, manche mehr oder weniger fein gekleidet. Der Saal füllt sich, der Vorhang fliegt zur Seite und die Bühne erscheint im Scheinwerferlicht.

Wir sehen auf der Bühne einen alten Mann mit grauen zerzausten Haaren. Er hat sich über seine Büchern gebeugt und sieht ziemlich frustriert dabei aus. Aber gebildet scheint er zu sein.

In Goethes Faust geht es darum, dass “Faust”, der alte Mann mit den zerzausten Haaren erkennt, dass ihm das Wissen, das er in seinem Leben erlangen wird, nicht genug ist. Er will die ganze Welt verstehen. Mephisto, eine teuflische Gestalt, bietet Faust übernatürliche Kräfte an. Im Gegensatz dazu verpflichtet er sich, Mephisto im Jenseits zu dienen. Dass Mephisto versucht, Faust für sich und das Böse zu gewinnen, weil er eine Wette mit Gott laufen hat, weiß Faust jedoch nicht. Der alte Mann reist mit Mephisto durch die Welt und trifft eines Tages auf das junge Gretchen.

Faust kann Gretchen für sich gewinnen. Und um sie ungestört besuchen zu können, besorgt Mephisto einen Schlaftrunk für Gretchens Mutter, welcher sie jedoch letztlich tötet. Nach Fausts Besuch wird Gretchen schwanger. Ihr Bruder Valentin will sich rächen, doch er wird von Faust mit Mephistos Hilfe erstochen.

In der Zwischenzeit hat Gretchen, um der Schande zu entgehen, dass sie ein Kind hat mit einem Mann, mit dem sie nicht verheiratet ist, ihr Kind ertränkt und wird deswegen als Kindesmörderin zum Tode verurteilt. Faust will ihr helfen, aber Gretchen lehnt ab und akzeptiert die Strafe des Gerichts für ihr Vergehen.

Die interessante Gestaltung des Stücks – es werden zwischenzeitlich auch Lieder gesungen, die von Klavier oder Gitarrre begleitet werden – versüßt uns jungen Zuschauern die drei einhalb Stunden der Aufführung – und zeigt, wie viel in dem alten Text von Goethe steckt. Die Schauspieler werden von allen Zuschauern am Ende der Vorstellung total beklatscht. Mephisto, der seine Rolle verwitzt spielte, bekommt mit Abstand am meisten Beifall.

Goethes “Faust” ist ja eigentlich eine Tragödie, aber manchmal wirkte das Stück wie Comedy.

von Umeer Khan und Eren Yildiz

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