Erste Flugversuche

Mit dem Deutschen Schülerstipendium begleitet die Roland Berger Stiftung begabte Kinder und Jugendliche zum Abitur. Und dann?

Geschafft! Endlich! Das Abi in der Tasche. Die große Freiheit. So frei, dass einem alle Türen offen stehen. Der Weg bis zu diesen Türen begleitet von einem Stipendium. Zwei Jahre Roland Berger Stiftung, zwei Jahre Rückhalt, zwei Jahre Sicherheit liegen hinter Amna. Doch wie geht es jetzt weiter? Zweifel, Angst, Unsicherheit. 1000 Möglichkeiten, aber welche ist die richtige? Wer hilft bei diesen Entscheidungen, wenn man Stipendiat der Roland Berger Stiftung war? Es sind die ersten Flugversuche in Richtung Selbstständigkeit. Doch wie setzt man die Flügel richtig ein?

„Ich habe jetzt ein Zimmer für mich alleine.“ Ein  nachdenklicher Blick und dann lächelt sie wieder. Sie sitzt am Tisch, isst nebenbei ihre Gemüsepfanne und erzählt, was jetzt anders ist. Sehr selbstbewusst gestikuliert sie mit den Händen und unterhält sich mit fünf Stipendiaten der Roland Berger Stiftung.  Auch sie war bis vor Kurzem Schülerstipendiatin der Roland Berger Stiftung. Eben bis zum Abitur im Juni.

Sie gehört immer noch dazu, „aber irgendwie nicht mehr richtig.“ Amna zählt jetzt zu den Betreuerinnen, die auf Seminaren der Roland Berger Stiftung vor allem den jüngeren Stipendiaten durchgängig für Fragen und Unterstützung zur Verfügung stehen.  „Es fühlt sich anders an“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht, fast schon ein wenig melancholisch. Dann beginnt sie zu stocken und ihr Blick schweift aus dem Fenster. Es fällt ihr schwer, die richtigen Worte zu finden, um zu beschreiben, was sich geändert hat, seitdem sie nicht mehr zur Schule geht.  „Alles ist in der Schwebe. Zeit geht unglaublich schnell vorbei.“ Ihre Freunde sind in alle Winde verstreut und es gibt zahlreiche Fragen, die sie noch klären muss. Was kommt jetzt?

Doch Amna fühlt sich überhaupt nicht im Stich gelassen bei  ihren ersten Schritten ins Erwachsenenleben und in die Unabhängigkeit. Als Alumna bleibt sie Teil der Roland- Berger-Stiftungs-Familie und kann sich weiterhin auf den Rat der Stiftung  verlassen. Das Alumniprogramm ist ein Netzwerk für alle ehemaligen Schülerstipendiaten.  Drei Seminare pro Jahr sind geplant, die spezifisch auf  die Bedürfnisse der Studenten ausgerichtet sind. „Das Netzwerk soll zugleich eine ‚helfende Hand’ für die jüngeren Stipendiaten sein, die das Abitur noch vor sich haben“, erklärt Marie-Louise Schäfer, die Projektleiterin des Alumniprogramms. Die Studenten seien den Schülern einen Schritt voraus und könnten mit ihren Erfahrungen den anderen bei Fragen und Ängsten zur Seite stehen, Seminare mitgestalten und vor allem eines: Mut machen und zeigen, dass es möglich ist, die eigenen Träume zu verwirklichen.

Amna blieb ein großer Teil der Unsicherheit nach dem Abitur erspart, da sie bereits während der Prüfungen die Zusage für ihren Studienplatz bekam. Doch auf solch einen Glückstreffer kann nicht jeder Schulabgänger zählen. Nicht alle Stipendiaten wissen genau, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen soll. Und selbst wenn sie es wissen ist das Wunschziel oft nicht ohne Schwierigkeiten zu erreichen. ,,Was ist, wenn man keinen Numerus Clausus von 1,0 für das Psychologiestudium schafft?’’ Der 18-jährige Stipendiat Julius macht dieses Jahr Abitur und fragt sich, was passiert, wenn sein Notenschnitt nicht ausreicht. Diese Unsicherheit  bedrückt ihn und ein „Plan B“ muss her. Für alle Fälle. Nicht, dass Julius ihn wirklich nötig hätte.

Durch die jüngsten Entwicklungen im deutschen Schulsystem, vor allem durch die Einführung von G8 ebenso wie die Abschaffung des Zivildienstes, verstärkt sich der Andrang an den Universitäten. Die Folge davon ist eine abrupte Verschärfung des Numerus Clausus. In der Praxis bedeutet das, dass der Abiturdurchschnitt immer besser werden muss, wenn ein Platz im Wunschstudienfach sicher sein soll. Doch nicht jeder Abiturient kann einen Abschluss von 1,0 erreichen. Die Suche nach alternativen Berufswegen wird immer wichtiger und drängender.

Auch die Roland Berger Stipendiaten lassen diese Entwicklungen nicht unberührt. Und doch – wer einmal Stipendiat der Roland Berger Stiftung war, weiß sich gut aufgehoben und lässt sich nicht von seinem Weg abbringen. Die wertvollen Erfahrungen, die man als Schülerstipendiat im Laufe der Jahre sammelt, das Selbstbewusstsein, das durch das Stipendium auf so vielfältige Weise gestärkt wird und nicht zuletzt der intensive Kontakt zu den Mitstipendiaten, den Projektleitern und natürlich den ehrenamtlichen Mentoren geben allen Alumni den nötigen Aufwind, an ihren Zielen festzuhalten und sich nicht entmutigen zu lassen.

Denn am Ende zählt nur eins: “Hold fast to your dreams, for without them life is a broken winged bird that cannot fly.” (Langston Hughes)

von Y Nhi Duong Hoang, Hanah Gull, Julius Kittler, Susannah Reins und Bianca Weigelt

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s