Münchens Hardliner

„Münchner Linie“ wird sie genannt. Die Strategie der Polizei München, um Konfliktsituationen zu lösen. Sie ist in den 60er Jahren als Handlungsmaxime eingeführt worden. Der Name ist purer Euphemismus, bedenkt man die Taktik, die dahinter steht. Die Polizisten sollen schon bei Anzeichen aufkommender Unruhen hart und konsequent durchgreifen. So auch an dem Wochenende des 4. und 5. Februar.

Zum 48. Mal findet die Münchner Sicherheitskonferenz statt. Etwa 350 Teilnehmer tagen im Hotel Bayerischer Hof, im Herzen der Stadt. Die hohen Vertreter aus Politik, Militär und Wirtschaft benötigen selbst einen hohen Schutz, um über die Sicherheit in der Welt diskutieren zu können. Vierzehn Straßen werden rund um den Veranstaltungsort abgesperrt. Doch nicht nur die Münchner Polizisten müssen Sonderschichten leisten. Insgesamt 3100 Polizisten aus ganz Deutschland sind im Einsatz, denn während im Luxushotel beraten wird, gehen draußen 5000 Menschen dagegen auf die Straße. Dafür müssen weitere fünfzehn Straßen abgesperrt werden.

Für die Anwohner bedeutet diese Konferenz erhebliche Einschränkungen. Praktisch die gesamte Innenstadt ist abgeriegelt. Auf der einen Seite die Teilnehmer, auf der anderen die Demonstranten und dazwischen die Polizei. Als friedlich gelten die Demonstrationen gemeinhin nicht. Das liegt nicht nur an der radikalen linken Szene, die das Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz unterstützt, sondern auch an der Strategie des harten Durchgreifens der Polizei. Wie kann es auch anders sein, wenn die Streitparteien auf so engen Raum zusammenstoßen? Wieso findet also Jahr für Jahr eine Veranstaltung, die so stark polarisiert, im Zentrum einer Metropole statt? Wäre ein neutraler Ort nicht besser geeignet? Ein Ort, an dem Sicherheitslage und Infrastruktur den Anforderungen einer solchen Veranstaltung entsprechen. Ein Ort, an dem Emotionen nicht so schnell hoch kochen können. Würde die Sicherheitskonferenz nicht mehr in München stattfinden, könnten alle Beteiligten enorm Kosten einsparen: Veranstalter, Polizisten und Demonstranten. Wenn die Sicherheitskonferenz an einen neutralen Ort verlegt würde, könnten die Münchner Linien wieder ungehindert durch die Innenstadt fahren.

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Ein Gedanke zu „Münchens Hardliner

  1. Super Artikel, auch wenn ich den jetzt erst lese. Aber eine Anmerkung – ich fänd es gut, wenn jeweil der Verfassser unter dem Artikel stände

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