„Neurologen haben neulich herausgefunden, dass das Publikum den ersten Satz eines Vortrags gar nicht verarbeiten kann, ihr Penner!“

Riesiger Andrang. Besucher aus allen Altersgruppen. Aufgeregte Leute, die verzweifelt versuchten, vor der Volksbühne noch eine Karte zu ergattern- egal wie teuer. Richtig, es ist die Rede von den Berliner Stadtmeisterschaften im Poetry Slam 2011.

Am 29.12. bewiesen zwölf „Slamer“ aus den verschiedensten Stadteilen Berlins ihr poetisches Können, ihre Leidenschaft für Dichtkunst und ihr Talent, Texte zu präsentieren. Doch Poetry Slam ist nicht nur das einfache Vorlesen von Gedichten, es ist Musik aus Worten, ein Feuerwerk aus Poesie, ein Schlagabtausch mit Buchstaben. Und das Publikum besteht nicht einfach nur aus Zuhörern. Viel mehr besteht es aus Teilnehmern, weil jeder mitentscheidet, wer Berliner Stadtmeister 2011 wird. Mit Klatschen, Trampeln, Jubel und Pfiffen wählen die Zuhörer drei der zwölf Poeten ins Finale. Jeder brüllt am lautesten bei seinem Favoriten.

Doch oft fiel dieses Jahr die Wahl nicht leicht. Manchmal wurde laut geschrien, dass doch noch mehr „Slamer“ wegen ihrer hervorragenden Werke ins Finale kommen sollten. Denn die Texte der Poeten waren alle einzigartig- genau wie die Präsentationen. Für jeden war etwas dabei. Mal wurden Texte gesungen, mal gerappt, mal geschrien, mal betont monoton abgelesen, mal waren sie mit einem Beat unterlegt. Es gab alle Variationen von Rhythmus, Lautstärke, Schnelligkeit, Betonung, Gestik und Mimik. Jeder Poet hatte ein eigenes Image. Der unpolitische Finalist Karsten Lampe konnte mit Statements punkten wie: „Immer, wenn die Menschen in meiner Umgebung anfangen, von Politik zu sprechen, höre ich das Rauschen von Wellen.“ Der depressive Nico Semsrott las den Zuhörern von den Sätzchen aus seinen „Unglückskeksen“ vor, nachdem er sie mit „Penner“ begrüßt hatte. Ein Beispiel: „Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du´s hinter dir!“

Doch letztendlich wurde der rote Hammer, die Trophäe des Stadtmeisters, dann an Julian Heun (links im Bild) übergeben. Mit seinem Text über den alles liebenden Ameisenmann („Ameisenmann mag Bier…Ameisenmann mag AIDS. Super berühmt. Super gefährlich. JA!“) gelang es ihm, das Publikum für sich zu gewinnen. Die Erfindung des Ameisenmanns, eines pokemonähnlichen Wesens, das von sich in der dritten Person spricht, sorgte für zahlreiche Lachkrämpfe. Natürlich hatte Julian aber einen Grund, gerade einen Ameisenmann zu erfinden. Ameisen sind nämlich besonders. Laut Julian können Ameisen „das Einmillionenfachste  ihres eigenen Körpergewichts tragen….und bauen nichts als hässliche Haufen. Einfach weil´s alle machen.“

Für die Berliner Zuschauer gibt es natürlich glücklicherweise mehr als einmal im Jahr die Möglichkeit, einen solchen poetischen Schlagabtausch mitzuerleben, weil es u.a. auch noch den King Kong Slam, den Weddingslam, den Kreuzberg Slam und viele weitere Wettkämpfe gibt. Auch für die, die mal etwas Neues ausprobieren wollen, bis jetzt noch nie zuvor vom Poetry Slam gehört haben, und auch auf ein Foto und ein Autogramm mit dem Sieger eines Slams aus sind, bieten die verschiedenen Lesebühnen abwechslungsreiche Unterhaltung. Die Stadtmeisterschaft war ein voller Erfolg und, wenn ihr im nächsten Jahr dabei sein wollt, solltet ihr wahrscheinlich schon jetzt nach Karten Ausschau halten….(„ihr Penner“).

Von Julius Kittler (rechts im Bild)

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