„Es ist genug!“

Das „Arabic Network for Human Rights Information“ wurde mit dem Roland Berger Preis für Menschenwürde 2011 ausgezeichnet. Sein Gründer Gamal Eid im Porträt.

In der Nähe des Tahir-Platzes in Kairo: Eine kleine Zentrale, voll besetzt mit telefonierenden und arbeitenden Männern und Frauen. Das „Arabic Network for Human Rights Information“. Gamal Eid ist der Gründer und Direktor der Organisation. Ruhig, selbstbewusst und sehr sachlich erklärt er Dr. Tobias Raffel, Vorstandsmitglied der Roland Berger Stiftung, die Arbeitsweise seines Networks. Kurz kann man hinter seine Fassade blicken, als er einem Mitarbeiter unterstützend die Hand auf die Schulter legt, da taucht auch ein Lächeln auf seinem Gesicht auf. Das Miteinander ist sofort erkennbar, sie alle haben die gleichen Erfahrungen geteilt. Verfolgung, Festnahmen und Repression waren alltäglich, sind es teilweise heute noch.

Auch Gamal Eid selbst war Opfer der Mubarak-Diktatur.  Mit seinen 47 Jahren saß er bereits vier Mal im Gefängnis, war Folter und Gewalt ausgesetzt. Bereits bevor in den internationalen Medien das Interesse am arabischen Frühling entstand, setzte sich Eid als Mitglied der Kefaya-Bewegung gegen ein autoritäres Regime ein. „Es ist genug.“ – Das war die Parole, die auch heute noch ihre Gültigkeit hat. Denn die Probleme in Ägypten bleiben bestehen. Die Militärregierung will ihre Stellung vorerst behalten, und kritisiert Eids Vorgehen. Seine Antwort: „Solange die Regierung sich nicht für die Bürger einsetzt, werden wir es tun.“. Diese Willensstärke ließ ihn auch die nun führende Organisation für Menschenrechte in Ägypten gründen.

Das ANHRI setzt sich seit 8 Jahren für Menschenrechte ein, und das in vielfältiger Weise. Gamal Eid nutzt sein Wissen als Menschenrechtsanwalt und  vertritt  Blogger vor Gericht. Das Netzwerk ermöglicht ihnen gleichzeitig durch einen eigenen Blog das Weiterführen ihrer unzensierten Berichterstattung. Das Veröffentlichen von Handbüchern und Studien zur Lage der Menschenrechte in den arabischen Ländern und die Seminare zur Unterstützung der Menschenrechtler stellen nur eine andere Seite dieser Arbeit dar. Im selben Maß, wie die NGO sich weiterentwickelt hat, haben sich auch die Beziehungen zwischen den einzelnen Organisationen des Netzwerks verstärkt. „Damals waren es fünfzehn, heute sind es über 300“, sagt er und bezieht sich damit auf die Organisationen, die mit ANHRI  kooperieren. Ein Zeichen für das schnelle Ausbreiten der Revolution in der arabischen Welt.

Eids Einsatz für seine Bevölkerung wird auch im Ausland gewürdigt. Im Rahmen der Verleihung des Preises für Menschenwürde der Roland Berger Stiftung wurde er jetzt für sein Engagement ausgezeichnet. Auch auf der Pressekonferenz behält er seine distanzierte Haltung bei. Trotzdem wirkt er nicht unsympathisch, eher beschützend, als er die weitere Preisträgerin Rhadia Nasraoui „meine Freundin“ nennt. Er zieht Aufmerksamkeit auf sich, ist stets präsent. Bei der Frage nach den Reaktionen auf den Preis in seiner Heimat antwortet er kurz und knapp: „Es wird zwei verschiedene Reaktionen geben: glückliche Unterstützer und eine wütende Regierung.“ Dabei lacht er zum ersten Mal und steckt damit auch die Pressevertreter an.

Text:Susannah Reins

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s