Kampfgeist, Mut und echt viel Spaß

Kampfgeist, Mut und echt viel Spaß

Willst du angeln, eislaufen, oder Tennis spielen? Hast Du Dich schon mal von einem Steinfels abseilen lassen oder die brasilianische Kampfsportart Capoeira ausprobiert? In der Sportakademie in Bad Blankenberg konnten sich über vier Tage im Oktober alle teilnehmenden Fair-Talent-Stipendiaten im Alter von 9-14 Jahren sportlich austoben.

In den Workshops wurde probiert und gekämpft, geschwitzt und gelacht: Beim Eislaufen lernten die Stipendiaten manches übers Stoppen, Rückwärtslaufen oder das richtige und sichere Verhalten auf dem Eis. Nach anfänglichem Misstrauen zog sich sogar der thüringische Projektleiter, Daniel Seiferheld, die Eisschuhe an und schlitterte los.

Neben Eislaufen fanden viele Stipendiaten Baseball, Capoeira und Tennis besonders spannend. Selbst die Kleinsten bewiesen hier großen Kampfgeist und zeigten eine Menge Kraft bei der Vor- und Rückhand. In einem Interview gestand ihnen ihr Tennislehrer, dass er echt viel Spaß mit ihnen hatte und seine Erwartungen an die Kinder total erfüllt wurden.

Seine Schüler fragten ihn, was ihm an Tennis denn so gefällt und er antwortete, dass er erst nach jahrelangem Suchen endlich auf diesen Sport gestoßen sei. Er suchte eine Einzelsportart und einen Sport der umfangreich und nicht einfach ist. „Außerdem“, sagte er und lachte, „wird man im Sommer immer schön braun.“

Auf die Frage der Stipendiaten, ob er denn Spaß an der Arbeit mit ihnen hatte, meinte der Lehrer: „Ja, ihr seit koordinativ sehr fit und ihr habt einen großen Willen zur Bewegung.“ Na, wenn das keinen Mut zum Weitertrainieren macht!

Zur gleichen Zeit fand in der Turnhalle Capoeira statt. Die Stipendiaten haben neben dem Kampfsport auch musiziert, gesungen und getanzt. So funktioniert der Tanzkampfsport Capoeira: eine echt interessante Mischung.

Natürlich waren die Stipendiaten am Abend schon ganz schön ausgepowert, aber das Programm mit „Hotelgolf“ und vor allem die anschließende Schatzsuche im Wald ließ alle wieder munter werden.

Zur Schatzsuche bekamen die Kinder eine Karte zur Orientierung. Für die größeren Stipendiaten gab es eine schwierigere Route, die sie trotzdem mit kleinen Problemen gemeistert haben.

Am nächsten Tag in der Sportakademie konnten die Stipendiaten „Extreme“ Sportarten ausprobieren. Darunter zählten unter anderem Mountainbiking, Abseilen und Baseball.

Beim Abseilen lernten einige Stipendiaten, wie man sich richtig von einem Steinfels abseilt und sichert. „Es war ein sehr spannender und interessanter Workshop und es hat viel Spaß gemacht.“, sagte die Stipendiatin Halima Baig auf die Frage wie sie den Workshop fand.

Im Sport will man sich auch mit anderen messen. Deshalb fanden gleich zwei Olympiaden in der großen Turnhalle statt, an der alle kleinen und großen Stipendiaten teilnahmen. Hier wollte jeder beweisen, wie er sich in den letzten Tagen sportlich steigern konnte. Zum Entspannen wurde am Abend Angeln, Slack Linen oder Yoga angeboten.

Am letzten Tag der Fair-Talent-Sportakademie fand die große Siegerehrung statt. Alle waren total gespannt, wer denn nun der große Champion unter ihnen sei. Ausgezeichnet wurden die einzelnen Bundesländer, zudem der beste Junge und das beste Mädchen und der Stipendiat, der die beste Leistungssteigerung bei der Olympiade hatte. Außerdem wurden die Besten aus der Altersgruppe 9–11 und 12-14 Jahre ausgezeichnet. Sachsen hatte hier eindeutig die Nase vorn!

Aber auch die anderen Bundesländer räumten ab: Hessen belegte im großen Ländervergleich den zweiten Platz, Thüringen konnte den dritten Rang erklimmen.

Die meisten Stipendiaten waren mit ihren Leistungen voll zufrieden. Für alle anderen galt: Dabeisein ist alles.

von Halima Baig, Marie Lüschow, Marcus Scholz und Tom Wolfahrt

Demokratie mal ganz anders

3-2-1-0. Urplötzlich stehen alle Stipendiaten still. Keiner regt sich. Es ist fast ein wenig gespenstisch, wie sich der eben noch vorherrschende Trubel mit einem Schlag in absolute Ruhe verwandelt. Bloß – was wollen die Schülerinnen und Schüler damit zum Ausdruck bringen?

26. bis 28. Oktober 2012 in der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar: Insgesamt 22 FairTalent-Stipendiaten aus Hessen, Sachsen und ganz Thüringen waren in die Goethe-Stadt gekommen, um sich ein Wochenende lang intensiv mit den Themen „Weimarer Republik“ und „Konzentrationslager“ auseinanderzusetzen.

Die eingangs genannte Situation war eine der viele Übungen, mit denen die Seminarleiter den Stipendiaten die Lage der verschiedenen deutschen Stände zur Zeit der Weimarer Republik näher bringen wollten. Die Jugendlichen sollten lernen, wie schnell die Demokratie in Gefahr gebracht werden kann, sei es durch eine Einzelperson oder gar durch eine ganze Partei.

Auch ein Besuch des nahegelegenen Konzentrationslagers Buchenwald stand auf dem Programm. Es war von Nationalsozialisten auf dem sechs Kilometer entfernten Ettersberg errichtet worden. Heute ist es eine Gedenkstätte, die von vielen Schülergruppen und Privatpersonen besucht wird.

Um die Stipendiaten auf das vorzubereiten, was sie dort sehen würden, wurden den Jugendlichen vorab Bilder gezeigt, die in dem ehemaligen KZ aufgenommen wurden. Die Stipendiaten sollten eines auswählen und kurz erklären, welche Situationen auf den Bildern dargestellt wurden und was sie zu bedeuten hatten. Was auf diesen Bildern zu sehen war, traf die Schülerinnen und Schüler tief ins Mark. Wie konnte ein solch grausamer Ort überhaupt entstehen? Für alle war unbegreiflich, wie diese furchtbaren Bilder einmal traurige Wirklichkeit gewesen sein konnten.

Auf Basis dieser Eindrücke entstanden rege Diskussionsrunden, in denen manche Antwort gegeben werden konnte, aber noch viel mehr Fragen entstanden.

Zu allem Unglück brach genau an diesem Wochenende in Deutschland der Winter ein. Der erste Schnee fiel und so lenkten sich die Jugendlichen am Abend vor dem Besuch in Buchenwald mit einer Schneeballschlacht ab.

Ein eisiger Schauer lief den Stipendiaten über den Rücken, als sie am nächsten Morgen im KZ Buchenwald ankamen. Die Winterkälte verschärfte das Unbehagen noch. Aber Buchenwald ist ein Ort, der zu jeder Zeit kalt ist. In jedem Sinne.

Am Ende der Führung durch das KZ waren die Stipendiaten um viele Eindrücke reicher. Wieder zurück in der EJBW, sollten die Jugendlichen das Gesehene auf sich wirken lassen und hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Was geschah eigentlich nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald durch die Amerikaner? Diese und andere Fragen wurden am zweiten Seminartag besprochen. Da ging es dann vor allem um das Speziallager Nr. 2, das 1945 als sowjetisches Speziallager auf dem Gelände des ehemaligen KZ Buchenwald entstand. Der Seminarleiter berichtete von den vielen Menschen – von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und ehemaligen KZ Häftlingen –, die in diesem Lager endeten.

Der letzte Teil des Seminares bestand aus einer kleinen Führung zum Thema, wie sich die Herrschaft der Nationalsozialisten in Weimar gespiegelt hat. Die Stipendiaten waren überrascht zu erfahren, dass Weimar einst eines der Zentren der NSDAP darstellte. So wurden sie zum ehemaligen Sitz der Gestapo geführt und auch zu dem Forum, wo damals Versammlungen abgehalten wurden.

Wieder um viel Wissen reicher, beendeten die FairTalent-Stipendiaten ihr zweites Seminar zum Thema „Demokratie“. Beim Folgeseminar im kommenden Mai sollen die an diesem Wochenende besprochenen Themen weiter vertieft werden.

Mit diesem Ausblick endete das Seminar mit einem lachenden aber auch einem weinenden Auge, denn für 2012 war dies das letzte Seminar, das FairTalent-Stipendiaten aus den drei Bundesländern Hessen, Sachsen und Thüringen vereint. Bis zum nächsten gemeinsamen Termin müssen sich die Stipendiaten nun bis Anfang 2013 gedulden.

von Luisa Urban

Wir rappen Goethes “Faust”

Wir rappen Goethes “Faust”

Es ist 9 Uhr morgens, als sich zwölf Stipendiaten im Schauspielhaus Frankfurt treffen, um an diesem Tag etwas über Goethes “Faust” zu erfahren. 9 Uhr morgens, während Freunde und Klassenkameraden noch gemütlich im Bett liegen  – es sind nämlich Ferien. Doch wir, begeben uns auf die Spuren vom Dichter Goethe.

Nach einer kurzen Vorstellung aller Teilnehmer geht es gleich los: In verschiedenen Laufbewegungen maschieren wir alle durch den Raum – langsam, mittel, schnell. Jeder soll dabei seinen eigenen Weg gehen und darauf achten, keine andere Person  anzurempeln. Dann machen wir eine Übung, bei der sich das Lauftempo unter uns Stipendiaten ändert, ohne dass wir miteinander sprechen. Kommunikation ohne Worte also. Aber was hat das mit Goethe zu tun?

Jetzt kommt eine Partnerübung, die alle lustig finden: Wir führen uns gegenseitig wie Blinde durch den Raum. Erst an der Hand, dann nur noch mit Worten oder Geräuschen. Wenn der Blinde dem Geräusch nicht mehr folgen kann, bleibt er stehen.

Als wir uns einen Satz aus dem “Faust” aussuchen sollen, der uns gefällt, verstehen wir schon mehr, dass es hier um Goethe und seine Dichtung geht. Jeder, der seinen Satz gefunden hat, ist aufgefordert, ihn im Workshop-Raum auf unterschiedliche Art aussprechen. Wir sollen Goethes Sprache in uns wirken lassen und sie uns für ein paar Minuten ausleihen.

Wir dürfen mit ihr machen, was wir wollen und sie frei performen. Manche entwickelten mit Fetzen aus “Faust” ein kleines Rollenspiel, andere singen oder rappen ihren Text.

Nächster Abend: Ein Freitag. Wir Stipendiaten finden uns wieder am Schauspielhaus ein. Jetzt bekommen wir die Aufführung der Profis zu sehen. Üeberall tummelten sich Menschen, manche mehr oder weniger fein gekleidet. Der Saal füllt sich, der Vorhang fliegt zur Seite und die Bühne erscheint im Scheinwerferlicht.

Wir sehen auf der Bühne einen alten Mann mit grauen zerzausten Haaren. Er hat sich über seine Büchern gebeugt und sieht ziemlich frustriert dabei aus. Aber gebildet scheint er zu sein.

In Goethes Faust geht es darum, dass “Faust”, der alte Mann mit den zerzausten Haaren erkennt, dass ihm das Wissen, das er in seinem Leben erlangen wird, nicht genug ist. Er will die ganze Welt verstehen. Mephisto, eine teuflische Gestalt, bietet Faust übernatürliche Kräfte an. Im Gegensatz dazu verpflichtet er sich, Mephisto im Jenseits zu dienen. Dass Mephisto versucht, Faust für sich und das Böse zu gewinnen, weil er eine Wette mit Gott laufen hat, weiß Faust jedoch nicht. Der alte Mann reist mit Mephisto durch die Welt und trifft eines Tages auf das junge Gretchen.

Faust kann Gretchen für sich gewinnen. Und um sie ungestört besuchen zu können, besorgt Mephisto einen Schlaftrunk für Gretchens Mutter, welcher sie jedoch letztlich tötet. Nach Fausts Besuch wird Gretchen schwanger. Ihr Bruder Valentin will sich rächen, doch er wird von Faust mit Mephistos Hilfe erstochen.

In der Zwischenzeit hat Gretchen, um der Schande zu entgehen, dass sie ein Kind hat mit einem Mann, mit dem sie nicht verheiratet ist, ihr Kind ertränkt und wird deswegen als Kindesmörderin zum Tode verurteilt. Faust will ihr helfen, aber Gretchen lehnt ab und akzeptiert die Strafe des Gerichts für ihr Vergehen.

Die interessante Gestaltung des Stücks – es werden zwischenzeitlich auch Lieder gesungen, die von Klavier oder Gitarrre begleitet werden – versüßt uns jungen Zuschauern die drei einhalb Stunden der Aufführung – und zeigt, wie viel in dem alten Text von Goethe steckt. Die Schauspieler werden von allen Zuschauern am Ende der Vorstellung total beklatscht. Mephisto, der seine Rolle verwitzt spielte, bekommt mit Abstand am meisten Beifall.

Goethes “Faust” ist ja eigentlich eine Tragödie, aber manchmal wirkte das Stück wie Comedy.

von Umeer Khan und Eren Yildiz

Geld allein ist nicht alles

Engagierte Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu unterstützen – das ist das Ziel der Roland Berger Stiftung. Wie sie das tut? Mit einem individuellen Förderprogramm.

Sie steht auf, dreht sich um, blickt auf den Schreibtisch. Ihre Hand greift nach der obersten Visitenkarte auf dem Tisch. Die Bewegungen sind fließend. Routiniert. Professionell. Diszipliniert. Sie trägt ein Businesskostüm, Schuhe mit Absatz. Lächelnd wendet sie sich wieder ihrem Gegenüber zu. Regina Pötke – steht auf der Karte – Vorstand der Roland Berger Stiftung.

Die Roland Berger Stiftung verfolgt zwei Ziele: Sie zeichnet Personen weltweit aus, die sich um die Menschenwürde verdient gemacht haben, und kümmert sich um Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien, um ihnen zur bestmöglichen Ausbildung zu verhelfen. Sie richtet sich an Kinder und Jugendliche, die bereit sind, Zeit und Engagement in ihre persönliche, aber auch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu stecken. Nicht alle Stipendiaten sind gleichermaßen begabt, nicht jeder Stipendiat hat einen Migrationshintergrund, aber alle haben eine Geschichte. Jeder Stipendiat ist etwas Besonderes. Was die Roland Berger Stipendiaten einzigartig macht, sind die breite Interessenfächerung, die enorme Motivation und das gemeinsame Ziel, die Schule mit der allgemeinen Hochschulreife zu verlassen. Roland Berger Stipendiaten wollen etwas bewegen. Deshalb werden sie von der Stiftung bis zum Abitur begleitet, unterstützt und gefördert. Seit dem Überreichen der Stiftungsurkunde im März 2008 ist viel geschehen. Inzwischen hat die Roland Berger Stiftung 500 Kinder und Jugendliche in ihr Deutsches Schülerstipendium aufgenommen.

Nationalen und internationalen Studien zufolge geschieht in Deutschland immer noch zu wenig, um Chancengleichheit zu schaffen. Familiärer, sozialer und finanzieller Hintergrund haben hier nach wie vor zu großen Einfluss auf die persönliche und berufliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Doch was tut der Staat dagegen? Kommunale Einrichtungen wie Übermittagsbetreuungen oder Nachhilfeprojekte decken oft nur einen Teil des Problems ab, staatliche Initiativen werden häufig nur von Legislaturperiode zu Legislaturperiode geplant und wirken damit oftmals nicht nachhaltig genug.

An dieser Stelle setzen private Stiftungen an. Es gibt Stiftungen, die spezielle Förderprogramme für Migranten anbieten, Auslandsaufenthalte fördern, oder Forschungsprojekte unterstützen. Es gibt die klassischen Studienstipendien und Stipendien für Doktoranden. Die Roland Berger Stiftung hingegen richtet sich gezielt an begabte Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligen Familien schon ab der Grundschule und bietet ihren Stipendiaten ein kontinuierliches, individuelles Förderprogramm. Aus diesem Grund lässt sich das Konzept der Stiftung nicht in die typische Begabtenförderung einordnen. Die finanzielle Unterstützung ist wichtig. Aber im Vordergrund steht die ideelle Förderung. Ziel des Stifters und der Stiftung ist es, Persönlichkeiten zu fördern, Stärken zu entwickeln und zu vermitteln, wie man mit Schwächen umgeht. „It‘s character that creates impact“ lautet der Slogan der Unternehmensberatung Roland Berger. Gleiches gilt auch für die Stiftung, deren Interesse nicht in der (Aus-)Bildung von Insel-Begabungen liegt, sonder vielmehr in der umfassenden Betreuung und Unterstützung der Stipendiaten. Das Programm der Stiftung sieht keinen festen monatlichen Betrag vor, sondern hält für jeden Stipendiaten ein jährliches Budget bereit, aus dem Seminare, Projekte und Einzelleistungen, wie beispielsweise die Übernahme der Kosten einer Studien- oder Sprachreise, finanziert werden. Zudem hat jeder Stipendiat Anspruch auf einen eigenen Laptop, um die Teilnahme am medialen Leben zu ermöglichen. Die Kinder und Jugendlichen bekommen die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, wertvolle Kontakte zu knüpfen und Wissen zu erlangen. Dies alles bedeutet Rückhalt und Sicherheit, aber auch Verantwortung.

Wie viel Zeit nimmt das Förderprogramm in Anspruch? Vernachlässigen die Stipendiaten aufgrund des intensiven Stipendiums andere Bereiche? „Nein“, erwidert Benjamin, ohne lange zu überlegen. Er ist einer der bundesweit 500 Stipendiaten. Auch Katharina fühlt sich nicht überfordert. „Die Seminare sind gut verteilt“, betont die Schülerin aus Nordrhein-Westfalen.

In der noch kurzen Stiftungsgeschichte kann die Roland Berger Stiftung bereits auf große Erfolge zurückblicken. Doch es gibt noch einiges zu tun: Manche Stipendiaten sind zum Beispiel am Anfang noch unsicher, wie sie in der Schule auftreten sollen. Seminare zur Selbstwirksamkeit sind deshalb ein wichtiger Bestandteil des Stipendiums, das die Kinder und Jugendlichen in insgesamt zehn Lernbereichen unterstützt.

Für die Zukunft wünscht sich Regina Pötke, dass die Stipendiaten mit Migrationshintergrund sich besser im deutschen Schulsystem und in der deutschen Sprache zurechtfinden, um ihre Talente voll entfalten zu können. Umgekehrt sollen deutsche Kinder lernen, offen und respektvoll mit anderen Kulturen umzugehen, „denn dann wird es viele Probleme in unserer Gesellschaft nicht mehr geben und Ressourcen können dafür verwendet werden, worauf es eigentlich ankommt: Alle Kinder gleichermaßen für die Zukunft zu stärken, unabhängig von Hautfarbe, Nationalität und Sprache, und sicherzustellen, dass sie die Chancen bekommen, die sie verdienen“. Das Deutsche Schülerstipendium der Roland Berger Stiftung soll ein Vorbild für andere Institutionen werden und möglichst viele Nachahmer finden.

Stiftungen können in Deutschland Impulse geben und für eine nachhaltige gesellschaftliche Veränderung sorgen. Um die Effizienz des Programms sicherzustellen, wird die Roland Berger Stiftung durch eine wissenschaftliche Begleitung evaluiert. Dadurch können Erkenntnisse aus der Bildungs- und Entwicklungsforschung später auch im öffentlichen Bereich angewendet werden.

Zurück im Obergeschoss der Münchener Highlight Towers, dem Sitz der Roland Berger Stiftung. Der Stahl des Gebäudes glänzt, das Sonnenlicht spiegelt sich in den Glasfronten 146 Meter über der Erde. Die Stiftung will hoch hinaus. In vier Bundesländern begann das Programm, seither sind in Kooperation mit der Deutschen Bank und einigen anderen fördernden Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen weitere hinzugekommen. Inzwischen bietet die Roland Berger Stiftung das Deutsche Schülerstipendium bundesweit an. Aber damit nicht genug. „Wenn es nach uns geht, sollen es noch sehr viel mehr Stipendiaten werden“, sagt Regina Pötke. Darum ist sie auch ständig in ganz Deutschland unterwegs, um das Stipendium bei potenziellen Förderern vorzustellen und weitere Unterstützer zu gewinnen.

Der Stapel Visitenkarten auf Frau Pötkes Schreibtisch ist groß. Nicht mehr lange.

von Aylin Bahcekapili, Amna Franzke, Samira Al Omari

Erste Flugversuche

Mit dem Deutschen Schülerstipendium begleitet die Roland Berger Stiftung begabte Kinder und Jugendliche zum Abitur. Und dann?

Geschafft! Endlich! Das Abi in der Tasche. Die große Freiheit. So frei, dass einem alle Türen offen stehen. Der Weg bis zu diesen Türen begleitet von einem Stipendium. Zwei Jahre Roland Berger Stiftung, zwei Jahre Rückhalt, zwei Jahre Sicherheit liegen hinter Amna. Doch wie geht es jetzt weiter? Zweifel, Angst, Unsicherheit. 1000 Möglichkeiten, aber welche ist die richtige? Wer hilft bei diesen Entscheidungen, wenn man Stipendiat der Roland Berger Stiftung war? Es sind die ersten Flugversuche in Richtung Selbstständigkeit. Doch wie setzt man die Flügel richtig ein?

„Ich habe jetzt ein Zimmer für mich alleine.“ Ein  nachdenklicher Blick und dann lächelt sie wieder. Sie sitzt am Tisch, isst nebenbei ihre Gemüsepfanne und erzählt, was jetzt anders ist. Sehr selbstbewusst gestikuliert sie mit den Händen und unterhält sich mit fünf Stipendiaten der Roland Berger Stiftung.  Auch sie war bis vor Kurzem Schülerstipendiatin der Roland Berger Stiftung. Eben bis zum Abitur im Juni.

Sie gehört immer noch dazu, „aber irgendwie nicht mehr richtig.“ Amna zählt jetzt zu den Betreuerinnen, die auf Seminaren der Roland Berger Stiftung vor allem den jüngeren Stipendiaten durchgängig für Fragen und Unterstützung zur Verfügung stehen.  „Es fühlt sich anders an“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht, fast schon ein wenig melancholisch. Dann beginnt sie zu stocken und ihr Blick schweift aus dem Fenster. Es fällt ihr schwer, die richtigen Worte zu finden, um zu beschreiben, was sich geändert hat, seitdem sie nicht mehr zur Schule geht.  „Alles ist in der Schwebe. Zeit geht unglaublich schnell vorbei.“ Ihre Freunde sind in alle Winde verstreut und es gibt zahlreiche Fragen, die sie noch klären muss. Was kommt jetzt?

Doch Amna fühlt sich überhaupt nicht im Stich gelassen bei  ihren ersten Schritten ins Erwachsenenleben und in die Unabhängigkeit. Als Alumna bleibt sie Teil der Roland- Berger-Stiftungs-Familie und kann sich weiterhin auf den Rat der Stiftung  verlassen. Das Alumniprogramm ist ein Netzwerk für alle ehemaligen Schülerstipendiaten.  Drei Seminare pro Jahr sind geplant, die spezifisch auf  die Bedürfnisse der Studenten ausgerichtet sind. „Das Netzwerk soll zugleich eine ‚helfende Hand’ für die jüngeren Stipendiaten sein, die das Abitur noch vor sich haben“, erklärt Marie-Louise Schäfer, die Projektleiterin des Alumniprogramms. Die Studenten seien den Schülern einen Schritt voraus und könnten mit ihren Erfahrungen den anderen bei Fragen und Ängsten zur Seite stehen, Seminare mitgestalten und vor allem eines: Mut machen und zeigen, dass es möglich ist, die eigenen Träume zu verwirklichen.

Amna blieb ein großer Teil der Unsicherheit nach dem Abitur erspart, da sie bereits während der Prüfungen die Zusage für ihren Studienplatz bekam. Doch auf solch einen Glückstreffer kann nicht jeder Schulabgänger zählen. Nicht alle Stipendiaten wissen genau, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen soll. Und selbst wenn sie es wissen ist das Wunschziel oft nicht ohne Schwierigkeiten zu erreichen. ,,Was ist, wenn man keinen Numerus Clausus von 1,0 für das Psychologiestudium schafft?’’ Der 18-jährige Stipendiat Julius macht dieses Jahr Abitur und fragt sich, was passiert, wenn sein Notenschnitt nicht ausreicht. Diese Unsicherheit  bedrückt ihn und ein „Plan B“ muss her. Für alle Fälle. Nicht, dass Julius ihn wirklich nötig hätte.

Durch die jüngsten Entwicklungen im deutschen Schulsystem, vor allem durch die Einführung von G8 ebenso wie die Abschaffung des Zivildienstes, verstärkt sich der Andrang an den Universitäten. Die Folge davon ist eine abrupte Verschärfung des Numerus Clausus. In der Praxis bedeutet das, dass der Abiturdurchschnitt immer besser werden muss, wenn ein Platz im Wunschstudienfach sicher sein soll. Doch nicht jeder Abiturient kann einen Abschluss von 1,0 erreichen. Die Suche nach alternativen Berufswegen wird immer wichtiger und drängender.

Auch die Roland Berger Stipendiaten lassen diese Entwicklungen nicht unberührt. Und doch – wer einmal Stipendiat der Roland Berger Stiftung war, weiß sich gut aufgehoben und lässt sich nicht von seinem Weg abbringen. Die wertvollen Erfahrungen, die man als Schülerstipendiat im Laufe der Jahre sammelt, das Selbstbewusstsein, das durch das Stipendium auf so vielfältige Weise gestärkt wird und nicht zuletzt der intensive Kontakt zu den Mitstipendiaten, den Projektleitern und natürlich den ehrenamtlichen Mentoren geben allen Alumni den nötigen Aufwind, an ihren Zielen festzuhalten und sich nicht entmutigen zu lassen.

Denn am Ende zählt nur eins: “Hold fast to your dreams, for without them life is a broken winged bird that cannot fly.” (Langston Hughes)

von Y Nhi Duong Hoang, Hanah Gull, Julius Kittler, Susannah Reins und Bianca Weigelt

Münchner Stipendiaten erforschen ihre Heimatstadt

Ein Bericht zur Stadtrallye am 10. September von Victoria Lichtenwald

„Sommer, Sonne, Sieg“, so beschrieb der Stipendiat Haseeb das Gefühl, mit dem sich neun Münchner Stipendiaten der Roland Berger Stiftung am 10. September auf den Weg machten, im Rahmen einer Stadtrallye ihre Heimatstadt zu erforschen.

Sie waren dabei aber nicht auf sich alleine gestellt, sondern bekamen Unterstützung von Mitarbeitern von Roland Berger Strategy Consultants. So bildete jeweils ein Stipendiat ein Team mit einem Erwachsenen.

Gemeinsam gingen sie höchst konzentriert an die Aufgaben heran und legten sich zunächst einen Plan zurecht.

Was sie nicht vergessen durften, mit auf den Weg zu nehmen, waren ein Apfel und ein Ei. Das klingt vielleicht im ersten Moment etwas merkwürdig. Wozu braucht man bei einer Rallye einen Apfel und ein Ei? Etwa als Wegzehrung? – Nein, ganz und gar nicht! Eine der kniffligen Aufgaben war nämlich, den Apfel und das Ei gegen etwas anderes einzutauschen. Das beste Tauschgeschäft würde die meisten Punkte bekommen.

Lin-Chi schaffte es, gegen einen Pfirsich zu tauschen:

Sie beschrieb die Rallye als „abwechslungsreich und lustig“, denn „gewinnen ist nicht wichtig, es soll Spaß machen“.

Und das tat es! Trotz der zum Teil wirklich schwierigen Aufgaben war von Aufgeben keine Rede, und verzweifelte Gesichter sah man auch nicht, höchstens angestrengte Denkerposen.

Also fragte man direkt: „Denkt ihr an Aufgeben?“ – „Überhaupt nicht!“, so das Team von Lei.

Motiviert und zielstrebig lösten die Tandems die kniffligen Rätselaufgaben. Da fragt man sich doch, woher kam die Motivation? Vielleicht vom leckeren Eis? Denn draußen war es wirklich heiß!

Oder waren es doch die tollen Preise, die es zu gewinnen gab und die alle antrieben? Es winkten Sea Life-Freikarten, ein iPod Shuffle, eine Ice-Watch und sogar ein iPad!

Ein kluges Köpfchen und viel Kreativität waren gefragt, denn die Jury bewertete nicht nur nach Schnelligkeit und Richtigkeit der Antworten, sondern auch die Collagen, die jedes Team aus den von der Stadtrally mitgebrachten Fotos anfertigen musste.

Und dann endlich war es so weit: Siegerehrung! Die Entscheidung war nicht leicht, alle Teams hatten ihr Bestes gegeben und sich auch für die Collagen noch einmal richtig ins Zeug gelegt. Die Jury war beeindruckt. Aber dann stand das Gewinnerteam fest: John und sein Teampartner Michael Raum machten den ersten Platz.

Nach einem anstrengenden, aber sehr lehrreichen Tag, der viel Spaß gemacht hatte, durften sich schließlich alle entspannt am Buffet belohnen.

Praktikum bei der Herrenknecht AG

Der Geologe Steffen Praetorius im Gespräch mit Stipendiaten

Vier Tage lang ein Manager, Ingenieur, Geologe oder IT- Experte sein? Wie kann das gehen? Für uns Stipendiaten der Roland Berger Stiftung wurde dies mit einem Praktikum bei einem unserer Förderer, der Herrenknecht AG, möglich. Eine knappe Woche lang konnten wir die Berufswelt jeweils mit einem Betreuer erkunden und so den Alltag in der Herrenknecht AG näher kennen lernen.

Was kann man sich darunter vorstellen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir – Kaltrina, Sebnem, Alime, Jothini – ein Interview mit einem Geologen der Herrenknecht AG, Herrn Steffen Praetorius, geführt.

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Reporter: Wieso haben Sie sich als Geologe gerade die Herrenknecht AG als Berufsort und Arbeitgeber ausgesucht?

Herr Praetorius: Die Herrenknecht AG bietet Geologen ein sehr interessantes  Einsatzgebiet, da die Maschinen für den Tunnelbau an verschiedenen Standorten auf der ganzen Welt zum Einsatz kommen. Von Ort zu Ort unterscheiden sich sowohl der Aufbau der Gesteinsschichten als auch die verschiedenen Gesteinstypen. Deshalb müssen die Geologen diese Umgebung genauestens untersuchen, damit man Maschinen, die an den jeweiligen Ort angepasst sind, einsetzen kann.

Reporter: Warum sind Sie überhaupt Geologe geworden?

Hr. Praetorius: Ich habe lange Zeit nicht gewusst, was ich später einmal beruflich machen möchte. Da ich mich für die Naturwissenschaften interessiere, stand fest, dass ich entweder im Bereich der Forstwissenschaft oder Geologie tätig sein möchte. Mein Geologie-Studium hat mir sehr viel Spaß gemacht und hat meine Vorstellung der Berufswahl bestätigt.

Reporter: Was macht Ihnen an der Geologie Spaß?

Hr. Praetorius: Zum einen spielt das Arbeitsumfeld eine wichtige Rolle: Man sitzt nicht immer im Büro, sondern hat auch vor Ort direkt mit den Gesteinen zu tun.

Reporter: Vorhin haben Sie kurz Ihren Werdegang angesprochen. Wie sieht der Weg bis zum Beruf „Geologe“ denn aus?

Hr. Praetorius: Geologie umfasst einen breiten Wissensbereich. Deshalb ist die Voraussetzung auch ein Abitur und danach das Geologie-Studium. Natürlich sollte man auch keine Scheu davor haben sich die Hände schmutzig zu machen. Zudem sollte man fähig sein, sich Wissen systematisch anzueignen und räumlich denken zu können.

Reporter: Was würden Sie uns als Praktikanten mit auf den Berufsweg geben?

Hr. Praetorius: Man sollte sich dabei auf jeden Fall Zeit lassen und sich mit den eigenen Stärken, Schwächen und dem Interesse auseinandersetzten. Auch die Frage, „Kann ich mir vorstellen, den Beruf über längere Zeit auszuüben?“ spielt hier eine wichtige Rolle, da es von großer Bedeutung ist, mit Spaß und Motivation an einen Beruf heranzugehen.

Innerhalb dieser Woche konnten wir vieles lernen und haben auch sehr viele Erfahrungen gesammelt. Dieses Praktikum bei der Herrenknecht AG wird uns allen gut in Erinnerung bleiben. Wer weiß, vielleicht wird der eine oder andere von uns in einigen Jahren bei der Herrenknecht AG arbeiten.

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für diese aufregende Woche bei der Herrenknecht AG bedanken.

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Ferien mal anders – Acht Stipendiaten sammeln erste Berufserfahrung bei der Herrenknecht AG

Ferien mal anders – Acht Stipendiaten sammeln erste Berufserfahrung bei der Herrenknecht AG

Von 2. bis 5. April hatten acht Stipendiaten der Roland Berger Stiftung aus Baden-Württemberg die Möglichkeit, ein mehrtägiges Praktikum bei der Herrenknecht AG in Schwanau zu absolvieren. Die Herrenknecht AG ist einer der Förderer des Roland Berger Schülerstipendiums in Baden-Württemberg.

In sehr unterschiedlichen Bereichen haben wir wichtige Erfahrungen gesammelt: Zum Beispiel in der IT-Abteilung, aber auch im kaufmännischen Bereich, genauso wie in der Finanzabteilung.

Dienstag Mittag saßen wir Stipendiaten in einem Besprechungsraum mit Frau Hepp, Personalreferentin der Herrenknecht AG, um mit ihr ein Interview zu führen. Frau Hepp hatte sich bereit erklärt, sich den vielen Fragen von Cansu, Karlo, Pelda und Vadim zu stellen.

Reporter: Was macht die Herrenknecht AG?

Frau Hepp: Wir stellen Maschinen her, die einen Durchmesser zwischen 0,10 m und 19 m haben. Bei diesen Maschinen handelt es sich um Tunnelvortriebsmaschinen, die einen Tunnel bohren können. Man teilt diese Maschinen in zwei Kategorien ein. In den Bereich Utility Tunnelling (UT), deren Anlagen zwischen 0,10m und 4 m groß sind. Diese werden für Infrastrukturen für die Entsorgung und Versorgung verwendet. Beispielsweise Ölleitungen oder Abwasserkanäle. Daneben gibt es noch den Bereich Traffic Tunnelling (TT), wo die Anlagen zwischen 4m und 19m groß sind. Die Herrenknecht AG baut nur die Maschinen und liefert sie zum Einsatzort, wir bauen nicht selber die Tunnel. Das macht dann die Baufirma. Oftmals bestellen unsere Kunden noch Servicekräfte zur Montage am Arbeitsort, während des Vortriebs oder für die Wartung und Reparatur, falls eine Maschine ausfällt.

Reporter: Was unterscheidet die Herrenknecht AG von anderen Unternehmen?

Frau Hepp: Anlagen von  der Herrenknecht AG können bei jeder Geologie, also bei jeder Steinart, Tunnel bohren. Wir haben für jede Geologie eine andere Maschine. Daneben haben andere Hersteller von Tunnelvortriebsmaschinen sich nur auf eine Geologie spezialisiert. Außerdem wurde die Herrenknecht AG als GmbH und als Familienunternehmen gestartet und wird jetzt noch von Martin Herrenknecht geleitet. Nach wenigen Jahren waren es knapp 25 Mitarbeiter, heute sind es fast 4.000 Mitarbeiter weltweit. Zudem haben wir noch zahlreiche Tochterunternehmen.

Reporter: Was sind Ihre Aufgaben im Unternehmen?

Frau Hepp: Ich bin Personalreferentin für die BU UT der Herrenknecht AG. Meine hauptsächliche Aufgabe besteht darin, Schulungen zu planen, Bewerbungen durch zu gehen, Vorstellungsgespräche zu führen, Zeugnisse für Mitarbeiter zu schreiben, Bescheinigungen zu schreiben und Stellenangebote, falls wir neue Mitarbeiter benötigen. Ich arbeite mit Menschen zusammen, daher ist  eine gute Menschenkenntnis für diesen Beruf wichtig.

Reporter: Welche Voraussetzungen braucht man für Ihren Beruf?

Frau Hepp: Die Voraussetzungen für den gesamten Betrieb sind sehr vielseitig, weil man hier auch sehr vielseitige Berufe ausüben kann. Wir haben Manager von verschiedenen Bereichen, Arbeiter, die die Maschinen bauen und vieles mehr. Deswegen kann man nicht genau sagen welche Voraussetzungen man für einen Beruf bei uns braucht. Es ist wichtig, dass man engagiert ist, dass man bereit ist, auch mal Überstunden zu leisten und dass man sehr flexibel ist. Am Wichtigsten ist aber, dass einem der Beruf Spaß macht und man gerne zur Arbeit geht. Man kann auch nicht genau sagen, welchen Schulabschluss man für die Herrenknecht AG benötigt, da es so viele Bereiche gibt.

Reporter: Wird sich die Herrenknecht AG in den nächsten Jahren vergrößern?

Frau Hepp: Weiter zu wachsen ist auf jeden Fall ein Ziel der Herrenknecht AG. Aber das hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Anzahl der Mitarbeiter oder dem Umsatz des Unternehmens. Vor allem im Ausland müssen wir flexibel sein, um unseren Kunden guten Service zu bieten.

Reporter: Was braucht ein junger Mensch, der sich für eine Tätigkeit bei der Herrenknecht AG interessiert?

Frau Hepp: Wie vorhin schon erwähnt, braucht die Herrenknecht AG engagierte und flexible Mitarbeiter. Bei meinem Arbeitsplatz sollte man wie gesagt eine gute Menschenkenntnis haben und der Beruf sollte einem auf jeden Fall Spaß machen.

Liebe Frau Hepp, vielen herzlichen Dank für dieses tolle Interview. Wir danken Ihnen, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben, um unsere Fragen zu beantworten.

Nach dem Gespräch machten sich die Stipendiaten auf den Weg zu ihren Abteilungen, um dort ihre weiteren Aufgaben zu vollenden. Wenn wir jetzt zurückblicken auf das Praktikum, dann war es viel zu kurz und wir hätten gerne mehr von der Herrenknecht AG gesehen, denn sie sitzt nicht nur im schönen Schwanau, sondern auf der ganzen Welt. Viele Mitarbeiter haben uns auch von ihren Auslandseinsätzen erzählt und welche Erfahrungen sie dort gemacht haben. Das Praktikum war eine tolle Erfahrung und wird uns bei unserer weiteren Berufswahl unterstützen. Eine Stipendiatin hat sogar ihren Traumberuf gefunden und weiß jetzt schon, was sie studieren möchte. Dafür ist sie der Herrenknecht AG, unserem Förderer, sehr dankbar.

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„Neurologen haben neulich herausgefunden, dass das Publikum den ersten Satz eines Vortrags gar nicht verarbeiten kann, ihr Penner!“

Riesiger Andrang. Besucher aus allen Altersgruppen. Aufgeregte Leute, die verzweifelt versuchten, vor der Volksbühne noch eine Karte zu ergattern- egal wie teuer. Richtig, es ist die Rede von den Berliner Stadtmeisterschaften im Poetry Slam 2011.

Am 29.12. bewiesen zwölf „Slamer“ aus den verschiedensten Stadteilen Berlins ihr poetisches Können, ihre Leidenschaft für Dichtkunst und ihr Talent, Texte zu präsentieren. Doch Poetry Slam ist nicht nur das einfache Vorlesen von Gedichten, es ist Musik aus Worten, ein Feuerwerk aus Poesie, ein Schlagabtausch mit Buchstaben. Und das Publikum besteht nicht einfach nur aus Zuhörern. Viel mehr besteht es aus Teilnehmern, weil jeder mitentscheidet, wer Berliner Stadtmeister 2011 wird. Mit Klatschen, Trampeln, Jubel und Pfiffen wählen die Zuhörer drei der zwölf Poeten ins Finale. Jeder brüllt am lautesten bei seinem Favoriten.

Doch oft fiel dieses Jahr die Wahl nicht leicht. Manchmal wurde laut geschrien, dass doch noch mehr „Slamer“ wegen ihrer hervorragenden Werke ins Finale kommen sollten. Denn die Texte der Poeten waren alle einzigartig- genau wie die Präsentationen. Für jeden war etwas dabei. Mal wurden Texte gesungen, mal gerappt, mal geschrien, mal betont monoton abgelesen, mal waren sie mit einem Beat unterlegt. Es gab alle Variationen von Rhythmus, Lautstärke, Schnelligkeit, Betonung, Gestik und Mimik. Jeder Poet hatte ein eigenes Image. Der unpolitische Finalist Karsten Lampe konnte mit Statements punkten wie: „Immer, wenn die Menschen in meiner Umgebung anfangen, von Politik zu sprechen, höre ich das Rauschen von Wellen.“ Der depressive Nico Semsrott las den Zuhörern von den Sätzchen aus seinen „Unglückskeksen“ vor, nachdem er sie mit „Penner“ begrüßt hatte. Ein Beispiel: „Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du´s hinter dir!“

Doch letztendlich wurde der rote Hammer, die Trophäe des Stadtmeisters, dann an Julian Heun (links im Bild) übergeben. Mit seinem Text über den alles liebenden Ameisenmann („Ameisenmann mag Bier…Ameisenmann mag AIDS. Super berühmt. Super gefährlich. JA!“) gelang es ihm, das Publikum für sich zu gewinnen. Die Erfindung des Ameisenmanns, eines pokemonähnlichen Wesens, das von sich in der dritten Person spricht, sorgte für zahlreiche Lachkrämpfe. Natürlich hatte Julian aber einen Grund, gerade einen Ameisenmann zu erfinden. Ameisen sind nämlich besonders. Laut Julian können Ameisen „das Einmillionenfachste  ihres eigenen Körpergewichts tragen….und bauen nichts als hässliche Haufen. Einfach weil´s alle machen.“

Für die Berliner Zuschauer gibt es natürlich glücklicherweise mehr als einmal im Jahr die Möglichkeit, einen solchen poetischen Schlagabtausch mitzuerleben, weil es u.a. auch noch den King Kong Slam, den Weddingslam, den Kreuzberg Slam und viele weitere Wettkämpfe gibt. Auch für die, die mal etwas Neues ausprobieren wollen, bis jetzt noch nie zuvor vom Poetry Slam gehört haben, und auch auf ein Foto und ein Autogramm mit dem Sieger eines Slams aus sind, bieten die verschiedenen Lesebühnen abwechslungsreiche Unterhaltung. Die Stadtmeisterschaft war ein voller Erfolg und, wenn ihr im nächsten Jahr dabei sein wollt, solltet ihr wahrscheinlich schon jetzt nach Karten Ausschau halten….(„ihr Penner“).

Von Julius Kittler (rechts im Bild)